08 März, 2020

Beziehung zum Wohl - oder zum Heil?

 

 

Wie möchte ich meine Paarbeziehung leben? 


Am Anfang ist vieles eitel Sonnenschein zwischen beiden Lebenspartnern. Nach der ersten Verliebtheit stehen sich oft ganz unterschiedliche Ideen gegenüber, wie die Beziehung gestaltet werden soll.

Adolf Guggenbühl-Craig, ein Schweizer Psychotherapeut, hat ein simples und gleichzeitig kraftvolles Modell dazu entworfen: Es gibt die Beziehung zum Wohl und die Beziehung zum Heil. Schon bei der Partnerwahl stehen sich dabei zwei unterschiedliche Entwürfe gegenüber: "Gleich und Gleich gesellt sich gerne" oder "Gegensätze ziehen sich an". 

Die Beziehung zum Wohl unterliegt dem Resonanz-Prinzip und dem damit verbundenen Wunsch nach Wohl-Fühlen und Komfortzone. Die eigenen bedürftigen Teile wollen vom Partner geheilt werden. Verlustängste und passives Verharren in
der Beziehung sind oft die Folge.
„Du bist dafür zuständig, dass es mir gut geht und ich glücklich bin. “

Die Beziehung zum Heil respektiert die Polarität, die Andersartigkeit, sieht Partnerschaft als Arbeit, manchmal auch als Herausforderung. Sie bringt persönliches Wachstum und Eigenverantwortlichkeit mit sich.
„Ich bin für das Glück meiner Teile selbst.verantwortlich. Ich entscheide mich aktiv immer wieder neu für die Beziehung.“

Um die Bedürnisse der eigenen inneren Anteile zu erkennen und mit ihnen verantwortungsvoll in der Beziehung umgehen zu können, haben wir einen Vergleich der beiden Beziehungsarten aufgestellt: 




Für eine erfüllende Beziehung braucht es eine gesunde Mischung der beiden Prinzipien. Erforschen Sie gemeinsam, was für Ihre wert-volle Partnerbeziehung stimmig ist: Welche Bedeutung hat für Sie Wohl und Heil, wo ergänzen sich die beiden? Wie können Sie die Bedürfnisse Ihrer Persönlichkeitsanteile in Beziehung leben?

Als Denkanstoß geben wir gerne die Aufgabe mit: Reflektieren Sie Ihre aktuelle oder vergangene Beziehungen und finden Sie Beispiele, die auf eine Beziehung zum Wohl oder zum Heil hindeuten. Erkennen Sie sich wiederholende Muster in Ihren Beziehungen?

Interessiert daran, diesen Bereich weiter zu erforschen? Gerne stehen wir für Austausch oder IFS-Arbeit zu diesen und anderen zwischenmenschlichen Themen bereit.

Ihre selbst.entwicklungs.coaches

Andreas & Michaela Hauser  


selbst.werk
Kolbestr. 3, 04229 Leipzig
www.selbstwerk.eu

 

04 Januar, 2019

Ein Schritt zurück und zwei nach vorne...

Wie kann Achtsamkeit Selbst.verständnis und Entwicklung von Eltern und Kindern fördern?





Mit dieser Frage beschäftigen sich die Selbst.entwicklungs.coaches Michaela und Andreas Hauser anlässlich des ElternFortbildungsTages am 12. Januar 2019 im BIP Krativitätsschulzentrum Leipzig. Hier gehts zum Programm 



In unserer Arbeit als Coaches und Therapeuten werden wir häufig nach Erziehungstips gefragt oder ob wir auch mit den Kindern unserer Klienten arbeiten. Unsere Antwort ist immer die gleiche:

 
Bei der Erziehung von Kindern geht es vor allem um Ihre eigene selbst.bewusste Haltung.


Hier haben wir die Basis zusammengetragen, mit der Kindererziehung für alle eine bereichernde und freudvolle Erfahrung wird:



  • Wenn Sie sich selbst gut kennen und Ihre frühen Familienthemen und -belastungen aufgearbeitet haben, sind Sie auf dem besten Weg. Nehmen Sie sich dazu externe Unterstützung durch einen Coach oder Therapeuten. Es nützt nicht, nur über die Themen Bescheid zu wissen, sondern sie müssen bearbeitet und ggf. geheilt werden. Erst dann sind Sie frei, eine innige Beziehung zu Ihrem Kind zu entwickeln.


  • Achtsamkeitsübungen helfen Ihnen, im gegenwärtigen Moment zu sein.Sorgen und Ängste beschäftigen sich mit der Vergangenheit oder Zukunft.Ihr Kind braucht Ihren Fokus und Ihre Präsenz im Hier und Jetzt.

  • Bleiben Sie offen für lebenslanges Lernen und Perspektivwechsel.

  • Erkennen Sie achtsam Ihre Automatismen und helfen Sie Ihren eigenen Persönlichkeitsanteilen zur Seite zu treten, wenn Sie mit Ihrem Kind kommunizieren. Mit IFS (Systemische Therapie mit der inneren Familie) können Sie lernen, die Bedürfnisse und Impulse Ihrer Persönlichkeitsanteile kennenzulernen und sie zu führen. So werden Sie selbst.bewusst und können entspannt mit Ihren Kindern in Kontakt gehen.

  • Üben Sie echtes Zuhören - um zu verstehen und um die geistige und seelische Ebene hinter den Worten und Fakten mitzukriegen.

  • Das gemeinsame Leben mit Kindern soll Freude machen. Die Basis dafür ist, alle Gefühle zulassen zu können - neben den schönen auch die schwierigen. Ein freudvolles Leben beinhaltet nunmal alle Facetten.
    Um die schönen Dinge zu sehen, müssen wir oft ersteinmal einen Gang herunterschalten und uns von den Kindern führen lassen.

So wäre eine authentische Eltern-Kind-Beziehung möglich - unabhängig von Ihrer eigenen Vergangenheit. Im Weltbild von IFS hat jeder ein intaktes, unverwundbares Selbst, das die eigenen Persönlichkeitsanteile führt und beschützt. Wenn Sie mit den oben genannten Schritten Zugang zu Ihrem Selbst finden und "selbst.nah" - also mitfühlend, offen, klar und interessiert - agieren und kommunizieren, dann wirkt das ansteckend auf Ihr Kind, Ihre/n Partner/in und auch auf Ihr Arbeitsumfeld. Probieren Sie's aus!
   

Wir untersützen Sie gerne auf diesem Weg.


Unsere Buchempfehlungen zu diesem Thema:  
"Gemeinsam leben, gemeinsam wachsen" und alle anderen Bücher von Daniel J. Siegel;   
Generell sind die Bücher vom Arbor-Verlag zum Thema Achtsamkeit hervorragend  
"Meine innere Welt verstehen" von Jay Earley


 

29 Dezember, 2018

Buchbesprechung: Hochsensible Männer - Mit Feingefühl zur eigenen Stärke


Es gibt viele Bücher, die mir im Laufe eines Jahres in die Hände fallen -- und einige davon bleiben stark haften, weil sie mich inspirieren, mich führen, mir etwas erklären, oder einfach weil sie stimmige Begleiter sind auf meinem ganz persönlichen Entwicklungsweg.


"Hochsensible Männer. Mit Feingefühl zur eigenen Stärke" von Tom Falkenstein ist so ein Buch. Es spricht vieles aus, das schon lange in mir war; bringt Ordnung in eine Vielzahl von losen Gedanken und Erkenntnissen; und es ist es mehr als wert, anderen Männern auf der Suche nach sich selbst empfohlen zu werden.



Beim Lesen habe ich mir Notizen gemacht und gebe diese gerne als Zusammenfassung wieder. Achtung: das ersetzt NICHT das Lesen, da im Buch einerseits viele sehr nützliche Erklärungen als auch Interviews mit Männern und ihren eigenen Erfahrungen dargestellt sind! :-) Aber zumindest als Anhaltspunkt für Themenbereiche ist es nützlich -- die Arbeit an sich selbst erspart das Lesen sowieso nicht...

Ausgangspunkt des Buches ist ein in der heutigen Gesellschaft vorherrschendes toxisches Männerbild, das geprägt ist von Dominanz, Gewalt und dem Ignorieren von Gefühlen. Die dazugehörigen "Männlichkeitsregeln" besagen:
  1. Ein richtiger Mann ist ein Kämpfer und Gewinner. 
  2. Ein richtiger Mann ist ein Versorger und Beschützer (von Frauen & Kindern). 
  3. Ein richtiger Mann behält Kontrolle und Beherrschung. 
Warum muss es eine Gegenüberstellung von 'typisch männlich' und 'typisch weiblich' geben? Wie wäre es stattdessen mit einem Idealbild von 'typisch menschlich'?
  • freundlich
  • väterlich
  • brüderlich
  • wohlwollend
  • akzeptierend
  • gleichwertig
  • gemeinschaftlich
  • großzügig
  • fürsorglich
  • frei

Der Autor beschreibt in seinem Buch die Temperamenteigenschaft der Hochsensibilität nach Elaine Aaron.

"Das hochsensible Temperament ist eine Konstante im Leben, mit der Mann geboren ist und die sich durch das ganze Leben zieht."

Hochsensible Personen (Highly Sensitive Persons HSP) unterscheiden sich durch vier Eigenschaften:
  1. Gründliche Informationsverarbeitung (Depth of Processing)
  2. Übererregbarkeit (Overarousability)
  3. Emotionale Intensität inkl. Empathie (Emotional Intensity incl. Empathy)
  4. Sensorische Empfindlichkeit (Sensory Sensitivity)
Daraus ergeben sich für hochsensible Männer als größte Herausforderungen:
  • Übererregung / emotionale Intensität => beruhigen und regulieren
  • Selbstwert / Selbstakzeptanz => selbstbewusster werden und sich annehmen können 
  • Mangelnde Selbstfürsorge / Lebensstil => Bedürfnisse erkennen, Grenzen setzen, Auszeiten gönnen
  • Empfindliche Sensorik => Ruhe und Gestaltung der Umwelt

Empathie spielt dabei oft eine wichtige Rolle:
Empathie = die Fähigkeit zum einfühlenden Verstehen der Innenwelt eines anderen Menschen, d.h. seiner Emotionen, Gedanken, Bedürfnisse und Motive.

Im Umgang mit Übererregung und emotionaler Intensität empfiehlt der Autor vier Hauptstrategien -- alle mit dem Hintergrund, die vorhandenen Gefühle zu akzeptieren und mit ihnen umgehen zu lernen:
  1. ACHTSAMKEIT
    Beobachten innerer und äußerer Prozesse
  2. AKZEPTANZ
    Gedanken und Gefühle
  3. ENTSPANNUNG
    Körperliche und emotionale Ruhe
  4. IMAGINATION
    Innere Bilder für Sicherheit und Ruhe
Achtsamkeit ist die Basis, nicht direktes Mittel zum Zweck:
Achtsamkeit = Aufmerksamkeit ohne Kritik und ohne Bewertung; erst dadurch verändert sich die Beziehung zu
  • Gedanken
  • Gefühlen
  • Körperempfindungen
  • gegenwärtigem Moment
  • Verhalten
Dabei geht es von der reinen Beobachterrolle (den eigenen Autopilot bewusst machen) über die Auseinandersetzung (benennen, hinterfragen, spüren, nachgehen) letzlich hin zur Akzeptanz (ganz und gar ohne Vorbehalte annehmen).

Ebenso gilt es, ein Selbstmitgefühl zu entwickeln bzw. zu stärken:
  • Selbstfreundlichkeit (Self Kindness)
  • Gemeinsames Menschsein (Common Humanity)
  • Achtsamkeit für sich selbst (Mindfulness)

Gerade bei hochsensiblen Männern fällt oft ein wenig oder kaum ausgeprägtes Gefühl des Selbstwerts auf. In erster Linie geht es darum, Selbstvertrauen und Selbstfürsorge aufzubauen und zu pflegen.
Selbstwert = eigene Gefühle/Grenzen/emotionale Bedürfnisse wahrzunehmen, zu respektieren, zu verbalisieren und danach selbstverantwortlich zu handeln.
  • akzeptierende, achtsame und praktische Selbstzuwendung
  • gute, praktische Selbstfürsorge im Alltag 
Abschließend bedeutet das, dass gerade einen hochsensibler Mann seinen eigenen Weg der Selbstführung finden kann.

Und an dieser Stelle komme ich als Coach ins Spiel: nicht nur, dass ich mich schon vor Jahren selbst auf diesen Weg begeben habe und ihn seitdem in meinem ganze eigenen Rythmus mit Höhen und Tiefen gehe... sondern auch, weil ich Sie auf ihrem eigenen Weg mitfühlend und wertschätzend begleiten kann.

Sprechen Sie mich an und wir schauen gemeinsam, wie ich Sie mit meiner Erfahrung unterstützen kann.

Ich freue mich auf Sie!


selbst.werk
Andreas Hauser
Kolbestr. 3, 04229 Leipzig
www.selbstwerk.eu

andreas[dot]hauser[at]selbstwerk[dot]eu